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Die Probleme, die sich im Zusammenhang mit den in den letzten Jahren entwickelten Biotechniken und ihrer Anwendung auf den Menschen ergeben, gehören sicherlich zu den drängendsten Fragen unserer Zeit, und haben entscheidenden Einfluss auf die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft.

Der Nationalrat der Franziskanischen Gemeinschgaft (OFS) in Deutschland hat deshalb einen Arbeitskreis ins Leben gerufen, der franziskanische Positionen dazu in der Öffentlichkeit vertreten soll. Dieser Arbeitskreis hat einen Text erarbeitet, der vom Nationalrat verabschiedet und den politischen Entscheidungsträgern zugeschickt wurde, und der mithelfen soll, eine inhaltliche Diskussion für einen Schutz der Menschenwürde von Anfang an zu führen. Diese Stellungnahme ist im folgenden hier vorgestellt.

Es ist klar, dass es uns nicht um eine generell ablehnende Haltung gegenüber wissenschaftlichem Fortschritt geht. Ein möglichst umfassender Embryonenschutz ist für uns im Gegenteil ein Element des Fortschritts hin zu einem tieferen Verständnis des Menschen und der Menschenrechte. Die Haltung der Gentechniker ist hingegen insofern sehr konservativ, als sie an einem technologischen und mechanistischen Menschenbild festhalten, das sich ja längst als unzureichend und teilweise falsch herausgestellt hat,.

Die weiter unten stehende Aktion “Ich schreibe meinem Abgeordneten” wurde in den verschiedenen Provinznachrichten der FG veröffentlicht und soll unseren Argumenten mehr Nachdruck verleihen. Jeder, der mit unserer Überzeugung in dieser Frage übereinstimmt, ist herzlich eingeladen, sich den Text der Stellungnahme herunterzuladen, sich an der Aktion zu beteiligen, und den Text überhaupt weiter zu verbreiten.

Wer sich über die Grundlagen dieser Thematik informieren will, kann kurze Erklärungen der wichtigsten Begriffe im Kleinen Lexikon der Humangenetik finden, das ich zusammengestellt habe.

 

Stellungnahme der Franziskanischen Gemeinschaft Deutschlands (OFS) zu Problemen der Humangenetik
(erstmalige Veröffentlichung September 2001, Aktualisierung Oktober 2006)

TauDie rasanten Fortschritte der gentechnischen Forschungen haben in den letzten Jahren zahlreiche Techniken möglich gemacht, die grundlegende Fragen an unser Menschenbild stellen, und die das Fundament des gesellschaftlichen Zusammenlebens berühren. Auch wir als Franziskanische Gemeinschaft sind zutiefst betroffen über die Aspekte der neuen Techniken, die unserem Verständnis von Menschen- würde widersprechen. Dem Vorbild unseres Ordensgründers Franz von Assisi entsprechend sind wir verpflichtet, in allen Bereichen menschlichen Lebens Partei für die Schwachen und Sprachlosen zu ergreifen.

Das europäische Verständnis vom Menschen geht von einer unverlierbaren und nicht hinterfragbaren Würde aus, die jedem menschlichen Individuum zukommt. Diese Würde ist an keine Bedingungen geknüpft und muss nicht erst durch Leistungen, gleich welcher Art, verdient werden. Wir als franziskanische Menschen gehen gemeinsam mit dem jüdisch-christlichen Strom der europäischen Kulturgeschichte davon aus, dass uns diese Menschenwürde und die davon abgeleiteten Rechte von Gott geschenkt und garantiert sind. Da diese Menschenwürde keinen Bedingungen unterliegt, besteht sie von Beginn der menschlichen Existenz an. Vom Zeitpunkt der Befruchtung an hat der so entstandene Mensch seine genetische Identität und seine Lebensgeschichte, die sich von da aus bruchlos entfaltet, zunächst im Mutterleib, dann im Kreis der Familie, und schließlich als selbständiger und eigenverantwortlicher Mensch.

Diese Sicht auf den Menschen wird nicht nur von Christen geteilt, sondern hat die gesamte europäische Geistesgeschichte geprägt. Auch das Grundgesetz geht selbstverständlich von dieser Definition des Menschseins aus. Das Bundesverfassungsgericht sagt dazu:

“Wo menschliches Leben existiert, kommt ihm Menschenwürde zu; es ist nicht entscheidend, ob der Träger sich dieser Würde bewusst ist und sie selbst zu wahren weiß. Die von Anfang an im menschlichen Sein angelegten potentiellen Fähigkeiten genügen, um die Menschenwürde zu begründen.” (Urteile des BVG, Bd. 39,1,S.41)

Wir wenden uns daher entschieden gegen alle wissenschaftlichen Methoden, die die Forschung an Embryonen, das Klonen von Embryonen und die Selektion nach genetischen Standards gleich welcher Art beinhalten.

Kein noch so guter Zweck rechtfertigt die Vernichtung menschlicher Wesen. Es gibt kein Anrecht auf Gesundheit, die durch den “Verbrauch” anderer Menschen erreicht wird. Eben dies geschieht aber beim sogenannten “therapeutischen” Klonen und der verbrauchenden Embryonenforschung.

Ebenso gibt es auch kein Anrecht auf ein gesundes Kind, wie es durch die Embryonenselektion der Präimplantationsdiagnostik erreicht werden soll. Es stimmt sicherlich, dass die meisten behinderten Menschen lieber gesund wären. Die PID dient aber nicht der Heilung, sondern der Aussonderung und Vernichtung angeblich lebensunwerter Menschen. Es gilt also zu bedenken, dass die meisten Behinderten nicht lieber tot wären!

Behinderung ist kein “Betriebsunfall”, dessen Träger es zu vernichten gilt, sondern eine legitime Ausformung der Gesamtheit der menschlichen Möglichkeiten. Wer Behinderte nicht ertragen kann, kann auch sich selber mit seinen unvermeidlichen Fehlern und Schwächen nicht ertragen. Wer anderen die Menschenwürde abspricht, wird selbst zum Unmenschen. Insofern ist unser Umgang mit behinderten Embryonen auch ein Spiegel unserer gesellschaftlichen Realität.

Aus diesen Gründen fordern wir eine strikte Beibehaltung des Embryonenschutzes. Verbrauchende Embryonenforschung, therapeutisches Klonen und Präimplantations-diagnostik müssen gesetzlich verboten bleiben. Auch die im jetzigen Gesetz erlaubte Forschung an bereits bestehenden Stammzelllinien ist aus unserer Sicht zutiefst fragwürdig. Die bestehenden Ausnahmeregelungen dürfen auf kleinen Fall ausgeweitet werden. Wir fordern alle Politiker unabhängig von der Parteizugehörigkeit auf, sich für gesetzliche Regelungen einzusetzen, die die unantastbare Würde jedes menschlichen Wesens wahrt.

Es ist ein immer wiederkehrender Trugschluss, zu glauben, dass man Gesundheit und Lebensglück durch die Ausgrenzung und Vernichtung der Schwachen und Machtlosen erreichen kann. Auch die bedingungslose Fixierung auf technologische Lösungen ist schon oft von der Wirklichkeit widerlegt worden. Unsere franziskanische Lebenserfahrung lehrt uns, dass alle Menschen gemeinsam mit der Natur eingebunden sind in den Organismus der Schöpfung. Wirklich sinnerfülltes Leben und innere Gesundheit sind nur erreichbar in einer geschwisterlichen und solidarischen Gesellschaft, in der jeder mit seinen Fähigkeiten und Begrenzungen angenommen wird. Wir werden nicht aufhören, uns für dieses Ziel einzusetzen. Die Diskussion um die Anwendung der Gentechnik in Bezug auf den Menschen wird erst dann zu Ende sein, wenn erreicht ist, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist: Menschenwürde und Menschenrechte für jedes menschliche Individuum, von Anfang an!

 Pace e Bene (Friede und Heil)

 Michaela(Nationalvorsteherin)

 

 

Aktion “Ich schreibe meinem Abgeordneten”

Der Nationalvorstand der Franziskanischen Gemeinschaft hat eine öffentliche Stellungnahme zu Problemen der Humangenetik abgegeben. Neue wissenschaftliche Methoden wie das Klonen oder die gezielte Selektion menschlicher Embryonen werden darin kritisiert und abgelehnt (siehe Text).

Da es einen starken Druck von Forschung und Wirtschaft gibt, diese Verfahren zuzulassen, ist es sehr wichtig, dass ein möglichst großer Gegendruck erzeugt wird. Damit die Wirkung der öffentlichen Stellungnahme nicht verpufft, regt der Arbeitskreis Humangenetik der FG die Aktion “Ich schreibe meinem Abgeordneten” an. Möglichst viele Mitglieder oder Freunde der FG sollen die Stellungnahme des Nationalvorstandes dem Bundestagsabgeordneten ihres Wahlkreises zukommen lassen. Das macht nicht viel Arbeit und kaum Kosten, kann aber die politischen Entscheidungsträger zum Nachdenken und Handeln anregen, bzw. in ihrem Engagement für den Embryonenschutz bestärken.

Wir bitten Euch also:

    1. Den Text “Stellungnahme der Franziskanischen Gemeinschaft Deutschlands zu Problemen der Humangenetik” auszudrucken oder hier herunterzuladen .

    2. Ein kurzes persönliches Anschreiben zu verfassen, in dem Ihr Euch den Inhalt der Stellungnahme zu eigen macht, und den Abgeordneten zu einem entsprechenden Handeln auffordert.

    3. Das ganze an den oder die Abgeordneten zu schicken, die aus der Nähe Eures Wohnortes kommen. Deren Namen und Büroadressen könnt Ihr im Internet unter www.bundestag.de/mdb14/wkmap/index.html erfahren. Diese Internetseite hat eine gute Suchmaschine, bei der man nur seinen Wohnort eingeben muss, um die entsprechenden Abgeordneten herauszubekommen.

Außerdem gibt es natürlich auch andere Möglichkeiten, seinen Standpunkt deutlich zu machen. Man kann z. B. Leserbriefe schreiben und in Diskussionen mitreden. Es ist sicher wichtig, die weitere Entwicklung der Forschungen zu verfolgen, und sich regelmäßig zu informieren. Auch bitte ich alle, für eine Veränderung des Bewusstseins in der Gesellschaft zu beten. Die Würde des Menschen steht allen zu, den ganz Jungen und den ganz Alten, den Gesunden und den Kranken, den Leistungsfähigen und den scheinbar Unnützen.

Matthias Petzold

Ansprechpartner: Franziskanischer Arbeitskreis Humangenetik, Matthias Petzold, Klosterstraße 20, 50321 Brühl, Tel: 02232/25971, e-mail: mail@petzold-jazz.de

 

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